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4.4 Das Wissenschaftliche Institut des JHW Freiburg e.V.

Das Jugendhilfswerk Freiburg e.V. (JHW)(1) ist ein freier Träger der Jugendhilfe mit einem breiten Angebotsspektrum.

  • Offene, stadtteilbezogene und sozialtherapeutische Jugendarbeit (ambulante Maßnahmen der Betreuungseinweisung nach dem Jugendgerichtsgesetz)
  • Heilpädagogischer Hort
  • Jugendwohngruppe
  • Die Werkstatt - eine sozialpädagogisch ausgerichtete Berufsvorbereitung für benachteiligte Jugendliche

Dem JHW ist das Wissenschaftliche Institut (WI-JHW) angeschlossen. Das Angebot des WI-JHW erstreckt sich über sozialtherapeutische Medienarbeit, Beratung und ambulante Therapie, alltagsnahe Erlebnispädagogik, Praxisforschung und Dokumentation bis zu Supervision und Fortbildung. Adressaten der Projekte des Institutes sind benachteiligte Kinder und Jugendliche und deren Eltern, sowie Multiplikatoren der Sozialen Arbeit.

Für unsere Betrachtung des WI-JHW ist der Arbeitsbereich Multimedia von besonderer Bedeutung (in diesem Fall Medienarbeit mit Video, Radio, Computern, Multimedia und Computernetzen).

CD-ROM-Projekt - Beteiligung in der Jugendhilfe(2)

Die CD-ROM „Beteiligung in der Jugendhilfe" ist das Resultat eines viermonatigen Multimedia-Projektes mit arbeitslosen Jugendlichen am WI-JHW. Die gemeinsam produzierte CD-ROM beleuchtet die praktische Arbeit des Jugendhilfswerks unter dem Stichwort Partizipation. Die CD-ROM dokumentiert die eigenen Ansätze in der Arbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen in weit mehr als tausend Einzelbildern, Dutzenden von Computeranimationen, über einer Stunde Interviews und gesprochenen Beiträgen, einer Viertelstunde Video, etwa 80 Seiten Text und drei Multimedia-Präsentationen aus früheren Computerprojekten.

Connected - Netze nutzen!

Von Januar bis Februar 1997 führte das Medienzentrum des WI-JHW mit sechs arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Multimedia-Projekt zum Thema Internet durch. Im Rahmen sozialer Gruppenarbeit trafen sich die Teilnehmer täglich, um die Möglichkeiten des Mediums Internet zu erkunden und anzuwenden.

Es ging darum, Jugendlichen einen Zugang zu den Medien zu verschaffen und ihre Erlebnisfähigkeit und soziale Kompetenz durch eine Auseinandersetzung mit den Medien zu fördern. Die dabei erzielten Erfolgserlebnisse sollten auch dem Aufbau eines positiven Selbstbildes dienen.

Der Leiter des Projektes, Roland Bader, erläutert im Rahmen eines Fachaufsatzes, warum gerade die multimediale Arbeit mit Computern und die Nutzung von Datennetzen bei der Arbeit mit dieser Zielgruppe besonders geeignet erscheinen:

„Je geringer die Bildungsvoraussetzungen sind, die ein Jugendlicher mitbringt, desto bedeutsamer ist der Gruppenrahmen als Lernfeld für den Erwerb kommunikativer Kompetenz. (...) In Multimedia-Projekten setzen wir bei den Ressourcen und Kompetenzen der Teilnehmer an, die sowohl im Interesse an Computern als auch im Umgang mit Bildern und Musik ohne Zweifel da sind.

[...] Gerade um sozial benachteiligte Jugendliche zu erreichen und zu eigener Produktion zu ermutigen, ist das medienintegrative Verständnis von Multimedia sehr sinnvoll. In dieses ist selbstverständlich Online-Kommunikation über Mailboxen oder Internet problemlos integrierbar."
(3)

Den Jugendlichen wurden zunächst pragmatische Fertigkeiten und eine Einführungen in die Technik vermittelt:

Techniken und Lerninhalte

  • Hardware und Grundkenntnisse im Umgang mit Computer, Betriebssystem und Textverarbeitung
  • Grundlagen im Umgang mit Datenfernübertragung (Technik und Anwendungsprogramme)
  • Internet und Mailboxen (WWW, Diskussionsforen, FTP, Chat)
  • Grafik (Grafikprogramme, digitale Fotografie, Scannen, Bildbearbeitung)
  • Musik (Sampeln und Nachbearbeitung)
  • Gestaltung von WWW-Seiten und Animationen, Präsentation mit einem Multimedia-Autorensystem

Abgerundet wurde die Gruppenarbeit durch Exkursionen, Interviews, Gespräche mit Vertretern von Firmen der Medienbranche und Kontakte zu Arbeitslosen-Initiativen. Praktische Ergebnisse sind unter anderem die Homepage der Gruppe,(4) zwei Radiobeiträge und eine Multimedia-Animation.

Den Erfolg des Projektes dokumentiert Roland Bader in einer privaten E-Mail:

„Der enge und tägliche Kontakt in der Gruppe, die gemeinsame Arbeit an den medialen Produkten Homepage, Animation und Radiobeiträge und die Reflexion des Gruppengeschehens führte dazu, daß die diversen Subprozesse nicht auseinanderfielen, sondern alle TeilnehmerInnen auch das Projekt zur Differenzierung des eigenen Standpunktes und der eigenen Identität nutzen konnten. Drei Kursteilnehmer haben mittlerweile Arbeits- oder Ausbildungsstellen, und nach der Projektzeit arbeitet ein Teil der Gruppe regelmäßig."(5)


(1) Das Jugendhilfswerk Freiburg e.V. betreibt eine eigene Homepage: <http://home.t-online.de/home/wi-jhw/jhw.htm>. Die Informationen über die dargestellten Projekte dieses Trägers stammen aus dessen WWW-Angebot und von Auskünften des Mitarbeiters Roland Bader per E-Mail <R.Bader@3landbox.comlink.apc.org>.

(2) <http://home.t-online.de/home/wi-jhw/jhwbet.htm>

(3) Bader, Roland, Partizipation mit Multimedia, in: medien und erziehung 6'96, Zusammenfassung auf <http://home.t-online.de/home/wi-jhw/jhwbet.htm>

(4) <http://home.t-online.de/home/wi-jhw/connect.htm>

(5) Roland Bader <R.Bader@3Landbox.Comlink.APC.ORG> am 03. April 1997


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